JUGA- jung, gläu­big, aktiv ist eine Initia­tive, die aus dem Pro­jekt JUMA-jung, mus­li­misch, aktiv her­vor­ge­gan­gen ist. Seit 2011 set­zen sich rund 40 junge Mus­lime, Juden, Chris­ten und Bahai im Alter von 17–25 Jah­ren inten­siv mit Mög­lich­kei­ten der inter­re­li­giö­sen Ver­stän­di­gung aus­ein­an­der.

Seit Bestehen der JUGA-Initiative haben die jun­gen Men­schen zahl­rei­che, viel­be­ach­tete Aktio­nen kon­zi­piert und umge­setzt, die ver­deut­li­chen sol­len, dass sie die Instru­men­ta­li­sie­rung und den Miss­brauch ihrer Reli­gio­nen ableh­nen, dass Gewalt und andere grup­pen­ab­wer­tende Hal­tun­gen im Namen von Reli­gion kei­nen Platz auf die­ser Welt haben. Sie set­zen sich für ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben von Men­schen unter­schied­lichs­ter Her­kunft, Glau­bens oder Welt­an­schau­ung.
JUGA hat auch einen eige­nen Webauf­tritt, auf dem man alle Aktio­nen und Berichte in vol­ler Länge nach­le­sen kann.

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Die Mode­ra­to­rin­nen und Mode­ra­to­ren

Die Mode­ra­to­ri­nen und Mode­ra­to­ren von JUGA sind eine tra­gende Stütze der Initia­tive. Ihre Auf­gabe ist es, die Jugend­li­chen der ver­schie­de­nen Glaubens- und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zusam­men­zu­brin­gen und für die inter­re­li­giöse Arbeit zu begeis­tern. Auf diese Weise ler­nen sich die Teilnehmer/innen bes­ser ken­nen, erfah­ren die Gemein­sam­kei­ten, aber auch Unter­schiede in den jewei­li­gen Reli­gio­nen und erar­bei­ten schließ­lich gemein­same Aktio­nen für das fried­li­che Mit­ein­an­der.

Unsere Mode­ra­to­rin­nen und Mode­ra­to­ren ken­nen sich her­vor­ra­gend im inter­re­li­giö­sen Dia­log aus. Sie sind seit vie­len Jah­ren beruf­lich und ehren­amt­lich enga­giert in die­sem Bereich tätig:

Die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin Silke Radosh-Hinder arbei­tet für den Kir­chen­kreis Berlin-Stadtmitte. Außer­dem ist sie ver­ant­wort­lich für die Theo­lo­gi­sche Lei­tung des Forums für inter­re­li­giöse Bil­dung.
Chalid Dur­mosch ist seit vie­len Jah­ren für den Ver­ein Licht­ju­gend aktiv, mit dem er 2010 den “Bot­schaf­ter für Demo­kra­tie und Toleranz”-Preis gewann. Cha­lid enga­giert sich in der Seel­sorge in Jugend­ge­fäng­nis­sen, ist aktiv im Ber­li­ner Poli­zei­pro­jekt „Stopp-Tokat“ und gibt isla­mi­sche Aufklärungs- und Anti­ge­walts­e­mi­nare, inter­re­li­giöse Fort­bil­dun­gen und Moschee­füh­run­gen.
Eva Scharf­berg ist bei Jung und Jüdisch aktiv und ist bei JUGA für Aktio­nen rund um das Juden­tum mit ver­ant­wort­lich.
Kofi Ohene-Dokyi ist Sozi­al­päd­agoge und in der RAA Ber­lin der­Ver­ant­wort­li­che und Ansprech­part­ner für das JUMA-Projekt und die JUGA – Initia­tive.

JUGA

Der Code of Ethics ist ein von den JUGA–Teilnehmer/innen erar­bei­te­ter ethi­scher Kon­sens, der aus unse­rer Sicht für das Zusam­men­le­ben der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen gel­ten sollte. Die­ser Basis­ka­ta­log soll von allen Reli­gi­ons­ver­tre­tern und Orga­ni­sa­tio­nen, denen die Jugend­li­chen ange­hö­ren, mit­un­ter­zeich­net und in den jewei­li­gen Gemein­den bewor­ben wer­den. Inhalt­lich wird die­ser Kata­log weni­ger eine Samm­lung abs­trak­ter Losun­gen und Appelle sein, son­dern viel­mehr ein leben­di­ger Aus­druck der gemein­sa­men Wün­sche und Hoff­nun­gen für ein Zusam­men­le­ben. Der Code of Ethics wird in einer breit­an­ge­leg­ten öffent­lich­keits­wirk­sa­menKam­pa­gne EINS DURCH 7. DU ZÄHLST MIT ver­öf­fent­licht. Zum Hin­ter­grund: Junge Mus­lime, Chris­ten, Juden und Bahai mit unter­schied­li­chem ethi­schen Hin­ter­grund, mehr­heit­lich deut­scher Staats­bür­ger­schaft, zei­gen, dass sie trotz aller Unter­schiede und Dif­fe­ren­zen, die es gibt, EINS sind, dass es zusam­men­geht, und dass sie­ben Codes ihnen dabei hel­fen, Anders­ar­tig­keit anzu­er­ken­nen und fried­lich zusam­men­zu­le­ben.

Durch diese Kam­pa­gne sol­len junge Men­schen in Ber­lin ange­regt wer­den, sich mit die­sem Code of Ethics aus­ein­an­der­zu­set­zen und so über das Zusam­men­le­ben der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen zu reflek­tie­ren, Pro­bleme zu erör­tern und Lösungs­an­sätze und Visio­nen für eine gemein­same Zukunft zu ent­wi­ckeln. Viel­falt muss in Deutsch­land als Mehr­wert aner­kannt wer­den. Hier ist jeder ein­zelne gefragt und auf­ge­for­dert, über seine Grund­ein­stel­lun­gen kri­tisch nach­zu­den­ken.

Präambel

In Ver­ant­wor­tung zu Gott und zu der Gesell­schaft wol­len wir was bewe­gen und blei­ben in der Sache stand­haft.
Durch Offen­heit und gegen­sei­ti­ges Ver­trauen wol­len wir gemein­sam eine fried­li­che Zukunft bauen.
Durch Gerech­tig­keit,  wir wol­len zu allen gleich sein, zu allen gerecht unab­hän­gig von Reli­gion, Her­kunft und Geschlecht.
Durch Empa­thie und das Ach­ten der Gefühle oder brü­der­li­cher Wärme und nicht anony­mer Kühle.
Durch Respektdenn jeder hat das Recht auf Frei­heit und jeder lebt das Frei­sein anders aus und das ist die Wahr­heit.
Durch Ver­ge­bendenn jedem kön­nen Feh­ler wider­fah­ren will man nicht auch, wenn man Feh­ler macht, Ver­ge­bung erfah­ren?
Durch Wis­sendenn klar sollte sein, jeder hat ein Talent und sucht man in der Per­son nach dem Guten, ist dies das erste was man erkennt.

Sweet Coexis­tence” — seit dem 31. August ist unser eige­ner JUGA-Song raus. Die JUGA-Jugendlichen haben ihn selbst mit dem Musi­ker Robert Lee Far­doe auf­ge­nom­men. Er läuft bereits im Radio.

Hier der Text:

We all have the right to be free
We’re dif­fe­rent, but that’s the balance we need
And if we don’t agree
It doesn’t mean we should be fight­ing

Come sit with us
We are the same family
Just with dif­fe­rent blood
Maybe we like the same food
And our child­ren play the same games too

Sweet, sweet coco
Sweet, sweet, coco, co-existence

I heard about you on the news
I thought your name was ano­ther num­ber
There’s so many things we did not dis­co­ver

Sweet, sweet coco
Sweet, sweet, coco, co-existence

Cause we all, we all, we all have a name
We all, we all have name

Sweet, sweet coco
Sweet, sweet coco
Sweet, sweet coco
We all, we all have a name
(Shout names)
Let the last name be PEACE :)

Der Bericht einer Teil­neh­me­rin:

Auf die­sen Tag haben wir JUGA Monate hin gear­bei­tet. Wir haben den „Com­mon Future“-Turm gemein­sam auf­ge­baut, einen Song geschrie­ben, einen Flashmob und viel Wer­bung gemacht. Nun soll­ten ALLE sehen, wer wir sind und was unser Ziel ist! Alle soll­ten sehen, dass es Jugend­li­che gibt, die nach vorne schauen und GEMEINSAM etwas errei­chen kön­nen, egal wel­cher Natio­na­li­tät oder Kon­fes­sion sie ange­hö­ren. Wir woll­ten unsere Bot­schaft wei­ter­rei­chen und woll­ten, dass mög­lichst viele uns fol­gen.

Bereits einen Tag zuvor gin­gen wir ins Rote Rat­haus für die Gene­ral­probe.

Es war das erste mal, dass wir das Rat­haus betra­ten und es beein­druckte uns alle, nicht nur die Räum­lich­kei­ten, son­dern auch der Ort an sich. Ein Ort, an dem sich wich­tige Per­sön­lich­kei­ten ver­sam­meln. Wir prob­ten das Intro, das Lied und die Cho­reo. Es klappte.

Am nächs­ten Tag, eine Stunde vor Beginn der Gedenk­ver­an­stal­tung, gin­gen wir unse­ren Auf­tritt noch­mals durch. Es war alles super auf­re­gend. So lang­sam betra­ten die Gäste den Saal. Es waren viele wich­tige Per­sön­lich­kei­ten und die Presse anwe­send, das stei­gerte die Auf­re­gung. Am Ende war­te­ten wir auf unse­ren Regie­ren­den Bür­ger­meis­ter Klaus Wower­eit und den US-Botschafter Phi­lip Mur­phy. Als beide kamen, begann die Ver­an­stal­tung mit einem Streich­quar­tett. Um Punkt 14:38 Uhr (der Zeit­punkt, an dem vor 10 Jah­ren die Anschläge began­nen) hiel­ten wir eine Schwei­ge­mi­nute. Im Hin­ter­grund lie­fen Fotos des Anschlags, die uns wie jedes Mal, wenn diese Bil­der gezeigt wer­den, von tiefs­ter Trauer und Unver­ständ­nis erfüll­ten. Dann hielt der Regie­rende Bür­ger­meis­ter eine Rede, gefolgt von einer Rede sei­tens des US-Botschafters, anschlie­ßend sprach Rever­end Scott Cor­win. Es folg­ten junge Ange­hö­rige ver­schie­de­ner Glau­bens­rich­tun­gen, die aus ihren Hei­li­gen Schrif­ten lasen. Das war ein Pro­gramm­punkt, der tie­fen Ein­druck auf uns hin­ter­ließ!

Dann schlug unsere große Stunde. Wir waren end­lich dran: Wir erklär­ten unsere Mes­sage für ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben der Reli­gio­nen und stell­ten unser selbst­ge­schrie­be­nes Lied „Sweet Coexis­tence“ vor. Zum Glück hat alles her­vor­ra­gend geklappt. Es war ein­fach bewe­gend. Und den Leu­ten schien es auch gefal­len zu haben. Denn nach unse­rem Auf­tritt wurde das erste Mal applau­diert. Vor­her war das auch kaum mög­lich, denn anfangs war die Stim­mung dem Anlass ange­mes­sen sehr gedrückt. Unser Lied ver­sprach an die­sem Tag zum ers­ten Mal Hoff­nung.

Nach uns ver­la­sen Schü­ler Briefe von Ange­hö­ri­gen der Opfer von 9/11. Wie­der sehr emo­tio­nale und bewe­gende Momente. Die Ver­an­stal­tung endete mit einem Blä­ser­quar­tett. Wir haben gemein­sam mit unse­rem Sän­ger Robert Lee Far­doe Fotos gemacht mit dem Schirm­herrn von JUGA und JUMA, Sena­tor Kör­ting, mit dem Regie­ren­den Klaus Wower­eit und mit dem Bot­schaf­ter Phi­lip Mur­phy. Alle waren begeis­tert von unse­rem Auf­tritt. Sie dank­ten uns und sag­ten, dass wir nie­mals auf­hör­ten soll­ten mit der gemein­sa­men inter­re­li­giö­sen Arbeit.

Und schon bald ging es wei­ter. Wir muss­ten schnell zum Bran­den­bur­ger Tor, wo eben­falls unser Lied vor­ge­stellt wer­den sollte. Obwohl wir schon etwas müde waren von den Ter­mi­nen der letz­ten Tage und Wochen, lie­fen wir den Weg zum Bran­den­bur­ger Tor, ohne so rich­tig Erschöp­fung zu spü­ren. Wir tru­gen unsere NEIN! ELEVEN T-Shirts mit Stolz, wohl­wis­send, dass die Arbeit der letz­ten Monate sich gelohnt hatte. Alles war so, wie wir es erhofft haben! Wir sind am Bran­den­bur­ger Tor auf­ge­tre­ten. Die anwe­sen­den Leute waren so begeis­tert dass sie eine Zugabe woll­ten. Es wur­den Flyer, USB-Sticks und CDs mit unse­rem Song ver­teilt. Alle soll­ten unsere Mes­sage wahr­neh­men: We build a com­mon Future!

Es war ein schö­ner Tag, es warm und son­nig. Wir wer­den alle Momente, die wir bis dahin gemein­sam erlebt haben sehr gut in Erin­ne­rung behal­ten. Auch die Momente, die hof­fent­lich noch fol­gen wer­den. Wir dan­ken alle, die uns beglei­tet haben und all das mög­lich gemacht haben! Wir dan­ken Saw­san Chebli, die diese tolle Idee hatte und das Ganze ins Leben geru­fen hat. Unser Dank gilt Herrn Kör­ting für seine große Unter­stüt­zung. Wir dan­ken Robert, Jochen und der Band, ohne die wir so einen wun­der­vol­len Song nie zustande gebracht hät­ten. Wir dan­ken unse­ren Mode­ra­to­ren Aliyeh, Cha­lid, Silke und Tat­jana, die uns so sehr gehol­fen haben und immer für uns da waren.

 

Bericht eines Teil­neh­mers:

Dass der 11. Sep­tem­ber 2011 ein beson­de­rer Tag wer­den würde, kün­dig­ten schon Tage zuvor die Medien an. Es ist der 10. Jah­res­tag nach den Anschlä­gen in Ame­rika. Die erhöhte Poli­zei­prä­senz in Berlin-Mitte ver­stärk­ten den Ein­druck die­ses beson­de­ren Tages. Trotz des kla­ren Him­mels und der strah­len­den Sonne lag Anspan­nung in der Luft. Bei mir war die Anspan­nung nicht nur durch die Ereig­nisse vor zehn Jah­ren, die ich als Elf­jä­hir­ger mit­er­lebte, begrün­det. Die bevor­ste­hende Prä­sen­ta­tion unse­res Songs „Sweet Coexis­tence“ im Roten Rat­haus zur zen­tra­len Gedenk­ver­an­stal­tung rie­fen in mir eine gewisse Ner­vo­si­tät her­vor und waren am prä­sen­tes­ten. Würde der Auf­tritt so klap­pen, wie wir ihn uns vor­stel­len? Wie reagie­ren die Gäste? Wie die Wür­den­trä­ger?

Als mit dem Erschei­nen des Regie­ren­den Bür­ger­meis­ters von Ber­lin, Klaus Wower­eit, und dem Bot­schaf­ter der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­rika in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Phi­lip Mur­phy, die Ver­an­stal­tung zum Geden­ken begann, wurde die Auf­re­gung immer gro­ßer. Sehr schnell ver­gin­gen die Schwei­ge­mi­nute, die Reden und der musi­ka­li­sche Impuls. Dann war es soweit: Unser Lied wurde das erste Mal einer grö­ße­ren Öffent­lich­keit prä­sen­tiert. Der Auf­tritt, auf den wir wochen­lang hin­ge­ar­bei­tet haben, war ein vol­ler Erfolg. Das erste Mal an die­sem Tag wurde die gedrückte Stim­mung auf­ge­bro­chen. Unser Lied kam bei allen Gäs­ten gut an, auch die Wür­den­trä­ger waren begeis­tert. Noch wäh­rend des Auf­tritts bemerkte ich wie die Trauer und Betrof­fen­heit der Hoff­nung wichen. Es war ein schö­nes Gefühl, die anfäng­lich ver­stei­ner­ten Gesich­ter nach und nach lächelnd zu sehen.

So schnell wie die Zeit vor dem Auf­tritt ver­gin­gen die Minu­ten des Auf­tritts sel­ber und die rest­li­chen Momente im Roten Rat­haus. Nach dem Geden­ken wur­den wir von vie­len Foto­gra­fen für die Presse und unsere Inter­net­prä­sents abge­lich­tet. Der per­sön­li­che Dank des Bot­schaf­ters hat mich sehr erfreut. Seine eupho­ri­sche Art blieb mir deut­lich in Erin­ne­rung. Bei einer kur­zen Ver­schnauf­pause und einem küh­len Getränk wur­den von flei­ßi­gen JUGAs CDs mit unse­ren Song ver­teilt. Und schon ging es zum Bran­den­bur­ger Tor. Auf dem Weg erreg­ten wir mit unse­ren Shirt „Nein! Ele­ven“ eine Menge Auf­merk­sam­keit. So zer­streute sich die Gruppe ein wenig, weil hier und dort Tou­ris­ten und Fuß­gän­gern von unse­rer Initia­tive erzählt wurde.

Die Stim­mung am Bran­den­bur­ger Tor war deut­lich gelös­ter als im Roten Rat­haus. Gemein­sam hat­ten wir mit unse­ren Sän­ger und Lied­schrei­ber Robert Lee Far­doe auf der Bühne eine Menge Spaß. Der Song wurde hier sogar so gut ange­nom­men, dass wir ihn gleich ein zwei­tes Mal san­gen. Nach die­sem Auf­tritt hatte ich viele gute Gesprä­che mit Zuschau­ern. Alle waren über den Tag glück­lich. Erst als ich in der St. Hedwigs-Kathedrale im öku­me­ni­schen Gedenk-Gottesdienst saß, bemerkte ich, wie geschafft ich vom Tag war. Vor lau­ter Auf­re­gung und Anspan­nung bemerkte ich nicht ein­mal wie anstren­gend so eine kleine Tour­nee sein kann. Ich bin sehr dank­bar über all die vie­len hel­fen­den Hände, die unsere Initia­tive erst zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Ich bin froh mit so vie­len unter­schied­li­chen Men­schen in Kon­takt gekom­men zu sein und freue mich auf die wei­tere Zusam­men­ar­beit und den akti­ven inter­re­li­giö­sen Dia­log.

Bericht von Kevin Jessa, evan­ge­li­scher Christ, Teil­neh­mer der Aktion:

Auf dem Weg zur Aktion „Stol­pere Nich’ – Erin­ner’ Dich!“ der JUGA-Initiative beweg­ten mich viele Fra­gen. Werde ich pünkt­lich sein? Sind genug Teil­neh­mer da? Ist jede Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gut ver­tre­ten? Wer­den auch Ver­tre­ter der Presse da sein? Klappt alles so, wie wir es uns vor­stel­len? Bleibt das Wet­ter gut? Als ich am Ade­nau­er­platz ankam, war ich erfreut über die vie­len Teil­neh­mer und Teil­neh­me­rin­nen, die bereits anwe­send waren. Ich freute mich über das Wie­der­se­hen mit den vie­len lie­ben Men­schen von JUGA und beson­ders über die Anwe­sen­heit vie­ler mir unbe­kann­ter Gesich­ter. Wäh­rend eines Gesprä­ches mit ‚mei­nem’ Bischof wurde mir ein T-Shirt mit dem JUGA-Logo über­reicht, damit auch ich als Teil von JUGA erkenn­bar bin. Schon bald sollte die Aktion begin­nen.

Silke Radosh-Hinder, Kreis­ju­gend­pfar­re­rin in Berlin-Stadtmitte, führte in den ers­ten Teil der Ver­an­stal­tung ein. Beson­ders begrüßte sie unsere Gäste. Ich freute mich, dass Andreas Statz­kow­ski (Staats­se­kre­tär in der Senats­ver­wal­tung für Inne­res und Sport), Ste­phan Kra­mer (Gene­ral­se­kre­tär des Zen­tral­ra­tes der Juden in Deutsch­land), Cha­lid Dur­mosch (Ver­tre­tend für den Vor­stand­vor­sit­zen­den der Ber­li­ner Sehit­lik Moschee), Mar­kus Dröge (Bischof der Evan­ge­li­schen Kir­che Berlin-Brandenburg-schlesische Ober­lau­sitz), Dr. Tho­mas Floeth,Bahá’í-Gemeinde in Ber­lin und Hel­mut Löl­höf­fel (Koor­di­na­tor der Stol­per­steine Charlottenburg/Wilmersdorf) unse­rer Ein­la­dung gefolgt waren.

Alle fan­den lobende und aner­ken­nende Worte für die JUGA-Initiative. Zusam­men­fas­sen würde ich die Rede­bei­träge so: Die Begeg­nung, das Ken­nen­ler­nen und das gemein­same Han­deln Jugend­li­cher ver­schie­de­nen Glau­bens gibt Hoff­nung. Die Aner­ken­nung unse­rer Arbeit machte mich glück­lich. Wir schei­nen auf dem rich­ti­gen Weg zu sein und eine wert­volle Arbeit für unsere Stadt zu leisten.Beeindruckt war ich von der Medi­en­prä­senz an die­sem Nacht­mit­tag. Zahl­rei­che Jour­na­lis­ten und Foto­gra­fen ver­schie­de­ner Medien ver­sam­mel­ten sich, um uns um mög­lichst viele gute Bil­der und State­ments der Teil­neh­men­den zu bekom­men. Im Nach­hin­ein erfuhr ich, dass nicht nur die lokale Presse da gewes­sen war. Unsere Aktion wurde auch über­re­gio­nal und inter­na­tio­nal wahr­ge­nom­men.

Nach dem gan­zen Medi­en­rum­mel ver­teil­ten wir uns in Grup­pen in den Stra­ßen rund um den Ade­nau­er­platz. Wir polier­ten die Stol­per­steine bis sie glänz­ten und erfuh­ren von den Schick­sa­len der Opfer; ihrer Depor­ta­tion und Ermor­dung durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten. Abschlie­ßend ent­zün­de­ten wir an jeder Stelle eine Kerze im Geden­ken. Schon wäh­rend des Polie­rens beka­men wir Auf­merk­sam­keit von den Pas­san­ten. Viele schau­ten inter­es­siert, was wir da auf dem Boden machen und haben ver­mut­lich zum ers­ten Mal den Stol­per­stein genauer betrach­tet. Eine Gruppe bemerkte beim Weg zurück zum Ade­nau­er­platz, dass eine Per­son Blu­men am Stol­per­stein nie­der­legte, eine direkte Reak­tion auf unser Tun.

Im Anschluss ver­sam­mel­ten wir uns wie­der am Ade­nau­er­platz, um gemein­sam für Frie­den und ein gutes Mit­ein­an­der zu beten. Dabei wurde die jeweils betende Reli­gi­ons­ge­mein­schaft von den ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sym­bo­lisch beschützt. Gemein­sam san­gen wir auf Initia­tive von Rab­bi­ner Tovia Ben-Chorin. Vier JUGAs berich­te­ten am Ende der Ver­an­stal­tung spon­tan von ihren Ein­drü­cken. Ich per­sön­lich war noch immer platt vom Erleb­ten. Das Mit­ein­an­der und das starke Sym­bol des Ver­beu­gens vor den Stol­per­stei­nen, damit man sie put­zen und zum Glän­zen brin­gen kann, berühr­ten mich sehr. Ich bin froh, dabei gewe­sen zu sein und glaube, dass es wie­der­ho­lens­wert ist.“ (Kevin Jessa, evan­ge­li­scher Christ)

Medi­en­echoJunge Welt (nur für Abon­nen­ten sicht­bar), Jüdi­sche All­ge­meineDeutsch­land­ra­dio Kul­turWeb­site des evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­ses Berlin-Mitte

Bei strah­len­dem Son­nen­schein erleb­ten die Jugend­li­chen der Pro­jekt­gruppe JUGA, ihre Fami­lien, Freunde und viele Gäste aus nah und fern im ULAP-Park unweit des Ber­li­ner Haupt­bahn­hofs einen wun­der­schö­nen Turm­bau­tag. Der dama­lige Sena­tor für Inne­res und Sport von Ber­lin, Ehr­hart Kör­ting, begrüßte alle Teil­neh­men­den und beschrieb die Turm­bau­ak­tion als einen gro­ßen Bei­trag für ein bes­se­res Mit­ein­an­der der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen in Ber­lin. Im Rah­men der Turm­bau­ak­tion wur­den auch Gebete der christ­li­chen, mus­li­mi­schen, jüdi­schen und Bahá’í-Jugendlichen gehal­ten. In Erin­ne­rung an die fried­li­che Revo­lu­tion für Demo­kra­tie und Frei­heit in Ägyp­ten bil­de­ten dann die Gläu­bi­gen der jeweils ande­ren Reli­gio­nen eine Men­schen­kette um die Beten­den. Damit woll­ten die Jugend­li­chen zei­gen, dass sie für­ein­an­der ein­ste­hen. Zum Schluss wurde auch der Turm sym­bo­lisch durch eine inter­re­li­giöse Men­schen­kette umringt, als Zei­chen für ein gemein­same fried­volle Zukunft in gegen­sei­ti­gem Respekt und Schutz. Auch Sena­tor Kör­ting nahm am Gebet Teil und stand zusam­men mit ande­ren Chris­ten in der Mitte. Kevin Jessa, ein evan­ge­li­scher Christ, sagte im Anschluss der Co-Gebete: „Es ist ein unbe­schreib­lich woh­li­ges Gefühl im Schutz von Mus­li­men, Juden und Bahá’í zu beten. Ein schö­nes Zei­chen dafür, dass wir für­ein­an­der ein­ste­hen.“

Einen schreck­li­chen Tag wie 9/11 möchte nie­mand wie­der erle­ben, darin waren sich alle Teil­neh­men­den der Aktion einig. Dazu sagt der katho­li­sche Christ Chris­tian M. Seel: „Wir leben in einer zusam­men­wach­sen­den Welt, in der es immer wich­ti­ger wird, jedem Ein­zel­nen mit Respekt und Ver­ständ­nis gegen­über­zu­tre­ten. Auch wenn Viele dafür noch nicht bereit sind, wol­len wir auch wei­ter­hin den Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­nern zei­gen, dass inter­re­li­giö­ses Zusam­men­le­ben durch die Hilfe und Bereit­schaft aller mög­lich ist.“ Der dama­lige Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulf hatte in sei­ner Rede zum Tag der Deut­schen Ein­heit 2010 gesagt, dass der Islam zu Deutsch­land gehöre. „Doch das muss jetzt noch in dem Her­zen aller Men­schen ankom­men. In Ber­lin haben die JUGAs ihr Herz geöff­net – in der Hoff­nung, dass wei­tere fol­gen“, so der Katho­lik Seel.

Die Aktion „Common-Future-Turm“ wäre kaum mög­lich gewe­sen ohne die tat­kräf­tige Unter­stüt­zung der Mode­ra­to­ren Silke Hin­der vom Evan­ge­li­schen Kir­chen­kreis Ber­lin Stadt­mitte, Aliyeh Yegane von Life e.V. und Cha­lid Dur­mosch von der Licht­ju­gend.

Gerade wur­den die Ergeb­nisse der Stu­die „Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land“ ver­öf­fent­licht, in der fest­ge­stellt wurde, dass juden­feind­li­che Ein­stel­lun­gen „in erheb­li­chem Umfang bis in die Mitte der deut­schen Gesell­schaft hin­ein ver­an­kert sind. Bei etwa einem Fünf­tel der Bevöl­ke­rung gebe es einen laten­ten Anti­se­mi­tis­mus“ stellt das Exper­ten­gre­mium fest, dass die Ergeb­nisse der Stu­die aus­ge­wer­tet hat. Die Wis­sen­schaft­ler for­der­ten die Poli­tik auf, ent­schlos­sen Gegen­maß­nah­men zu ergrei­fen.

Das erschre­ckende Ergeb­nis der Stu­die hat JUGA Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer, die sich seit einem Jahr aktiv für die Ver­stän­di­gung und den Abbau von Vor­ur­tei­len ein­set­zen, spon­tan zu fol­gen­den Stel­lung­nah­men bewegt:

Nina Sedlak-Cinar

Ste­reo­type, Angst und Unwis­sen­heit im Bezug auf unter­schied­li­che The­men gibt es in jeder Gesell­schaft, aber beson­ders im Bezug auf ver­schie­dene Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist die Abwehr­hal­tung und Angst beson­ders groß. Es ist unak­zep­ta­bel dass Men­schen eine Feind­schaft ent­ge­gen gebracht wird,  wegen ihres Glau­bens oder der Zuge­hö­rig­keit zu einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft. O ihr Men­schen! Wir erschu­fen euch aus einem Mann und einer Frau und mach­ten euch zu Völ­kern und Stäm­men, damit ihr ein­an­der ken­nen lernt […] (Quran, 49:13)

Nach die­sem Vor­bild set­zen bei JUGA junge Gläu­bige mit unter­schied­lich reli­giö­sem Hin­ter­grund ein Zei­chen für das fried­li­che Mit­ein­an­der. Wir ler­nen uns ken­nen und bauen so unsere Vor­ur­teile ab und ler­nen von­ein­an­der.”

 

Lisa Rodova:

Die Erde ist nur ein Land und alle Men­schen sind ihre Brger.  (Bah‘u‘llh) das ist die Ansicht der Bah‘. Jeder Mensch, jede Fami­lie, jeder Stamm, jedes Volk,  jede Kul­tur und jede Reli­gi­ons­ge­mein­schaft haben ihren Platz auf die­ser Welt und nie­mand muss gehen, damit wir ein fried­li­ches Mit­ein­an­der schaf­fen knnen. Des­we­gen ste­hen wir bei JUGA freinan­der ein: Juden fr Chris­ten, Chris­ten fr Mus­lime, Mus­lime fr Bah‘ und Bah‘ wie­derum fr die Juden und anders herum, denn wir alle stam­men aus einer Quelle, uns eint der Glaube an einen Gott, der Reli­gion zum Werk­zeug des Frie­dens gemacht hat. Lasst sie uns nicht zum Werk­zeug des Has­ses und der Feind­schaft wer­den!

 

Chris­tian M. Seel

Die Poli­tik darf nicht immer nur mah­nen, son­dern muss auch han­deln. Es kann nicht sein das groß­ar­tige Pro­jekte wie OSZ gegen Rechts nicht mehr unter­stützt wer­den und gleich­zei­tig stöh­nend ein­ge­stan­den wird, dass die rechte Gewalt und Juden­feind­lich­keit zunimmt! Wir mit Juga/Juma gehen einen Weg den man ein­fach mit­er­le­ben muss. Die meis­ten Men­schen haben noch nie einen Juden gese­hen! Wie kann es dann sein, dass so viele Men­schen einen Hass zu die­sen auf­bauen? Juga/Juma stärkt den eige­nen Glau­ben und bie­tet die ein­zig­ar­tige Mög­lich­keit über den Tel­ler­rand hin­aus zu bli­cken. Des­halb brau­chen wir Leute wie Saw­san Chebli von der Senats­ver­wal­tung für Inne­res und Sport, die sich uner­müd­lich für den inter­re­li­giö­sen Dia­log ein­setzt. Juga/Juma ist das was wir dar­aus machen. Wir freuen uns über alle die mit­wir­ken wol­len!