Uto­pie oder nahe Zukunft? Die Poli­tik wird plu­ra­ler und hete­ro­ge­ner. Wir haben schon heute unse­ren 1. Vize-Kanzler, des­sen Eltern aus Viet­nam stam­men. Vor 70 Jah­ren wäre das in Deutsch­land undenk­bar gewe­sen – am ehes­ten noch ein April­scherz über den man sich bei einem Bier­chen mit gro­ßem Geläch­ter lus­tig gemacht hätte. Heute ist sie Rea­li­tät und unsere Öko-Partei, die Grü­nen, die zur­zeit auf dem Höhe­punkt ihrer Geschichte ist, hat einen Elvis-Türken als Par­tei­vor­sit­zen­den.

Der Poli­tik fehlt es an Offen­heit und Mut mit der Viel­falt umzu­ge­hen.
Inte­gra­ti­ons­de­bat­ten die geführt wer­den mit Saraz­zi­nis­ten und Islam­kri­ti­kern, die das Kopf­tuch aus­schließ­lich mit der Unter­drü­ckung der Frau ver­bin­den und nicht auch mal mit einer eman­zi­pier­ten jun­gen Dame, die das aus reli­giö­sen Grün­den trägt (die es mas­sen­haft gibt!), kön­nen keine pro­duk­ti­ven Resul­tate brin­gen. Es gibt das Zeit­al­ter vor Saraz­zin und danach; so wie vor und nach Chris­tus; und dazwi­schen das dunkle 21. Jahr­hun­dert.

Die 3. Gene­ra­tion der Nach­kom­men von „Gast­ar­bei­tern“ und die deut­schen Jugend­li­chen wach­sen aber in einer ganz ande­ren Gesell­schaft auf. Für sie ist es abso­lut nor­mal, Plu­ra­li­tät um sich herum zu haben – ob in der Schule, in der Uni oder in der Frei­zeit. Auch emp­finde ich meine Gene­ra­tion als offen, mutig und viel­sei­tig – nicht so grau und ein­sei­tig wie die alten Män­ner in den schwar­zen Anzü­gen im Bun­des­tag. Diese Män­ner mit ihren schwarz-weiß ver­zerr­ten Bil­dern im Kopf über die Arbeits­kräfte aus dem Aus­land. Sie hof­fen ver­mut­lich noch immer, die Gast­ar­bei­ter wür­den nach Hause gehen. Die sind aber schon lange keine Gast­ar­bei­ter mehr, son­dern ein Teil Deutsch­lands. Und gehen tun sie ganz bestimmt nicht. Es gibt nicht mehr „den Deut­schen“ oder „den Aus­län­der“, son­dern eine neue Art der Iden­ti­fi­ka­tion, wo das Mensch­sein im Vor­der­grund steht und jeder sich Indi­vi­du­ell nach Belie­ben wahr­nimmt. Meine Gene­ra­tion weiß das. Meine Gene­ra­tion lebt das auch.

Ist Mesut Özil Deut­scher oder Türke? Er spielt für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft, aber kann sich nicht bei einem Tor gegen die Tür­kei freuen. Aus Respekt wie er sel­ber sagt oder aus Reue, die er in dem Moment gespürt hat? Ich würde sagen aus Angst, damit er heil aus dem Sta­dion kommt, weil unge­fähr 50.000–60.000 Tür­ken im Olym­pia­sta­dion und auch Zig­tau­sende aus ganz Deutsch­land nach Ber­lin anmar­schiert sind. Wann sehen wir den 1. Bun­des­trai­ner mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in der deut­schen Natio­nal­mann­schaft und wird Özil auch irgend­wann Mal Kapi­tän?

Uto­pie oder nahe Zukunft? Ich warte auf unse­ren ers­ten bun­ten Bun­des­kanz­ler. Oder Bun­des­kanz­le­rin, je nach­dem.

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