Ich bin Mus­lim. Zwang­läu­fig kommt man da irgend­wann auf die Fra­ge:

Was genau ist die isla­mi­sche Tra­di­ti­on?

Wie häu­fig in vie­len Fra­gen, gibt es auch hier kei­ne kla­re Ant­wort. Es gibt nicht die eine „isla­mi­sche Tra­di­ti­on“, son­dern vie­le Tra­di­tio­nen und Gepflo­gen­hei­ten, die von Land zu Land, Volk zu Volk vari­ie­ren. Das liegt dar­an, dass im Koran nicht expli­zit gesagt wird, wie man sich in ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­chen ver­hal­ten soll. Die Sun­nah, also die Über­lie­fe­run­gen über das Leben des Pro­phe­ten Moham­med, sind es, die heu­te noch den Mus­li­men eine gro­be Lebens­an­lei­tung geben.

Mir ist des­halb auch eine ganz ande­re Fra­ge wich­tig: Was bedeu­tet Tra­di­ti­on für mich, einem jun­gen mus­li­mi­schen Deutsch‐Türken, der hier in Deutsch­land gebo­ren und auf­ge­wach­sen ist?
Im All­tag nimmt die­se Fra­ge ganz lus­ti­ge Aus­ma­ße. Zwar wür­de ich euch ger­ne jetzt mei­ne gan­zen Ein­drü­cke, die ich in den 18 Jah­ren gesam­melt habe bis aufs letz­te Kom­ma genau schil­dern, wer­de mich aber euch zulie­be nur auf die Begrü­ßung beschrän­ken.
Für vie­le Men­schen ist Die Begrü­ßung etwas ganz simp­les und natür­li­ches. Ich aller­dings muss mir erst mal die Fra­ge stel­len, ob es sich beim gegen­über um einen Jun­gen oder ein Mäd­chen han­delt. Nun gut, das lässt sich schnell klä­ren. Aber damit ist es noch längst nicht getan. Einen Jun­gen begrü­ße ich in der Regel mit einer Bewe­gung, die einem Kuss auf jeweils bei­de Wan­gen ähnelt. In der Regel tut mein Gegen­über genau das nicht.
Häu­fig ver­sucht der Ande­re mit sei­ner Schlä­fe mei­ne Schlä­fe zu tref­fen aber das geht natür­lich schlecht, wenn ich ver­su­che mit mei­ner Wan­ge sei­ne zu berüh­ren.
Dann gibt’s noch wel­che, die auf einen 3. Kuss auf die Wan­ge bestehen und das sieht dann auch selt­sam aus wenn ich schon mit mei­nem Kopf weg­ge­he und mich dann wie­der annä­hern muss. Von denen, die sogar auf einen 4. bestehen, will ich gar nicht erst anfan­gen. Beson­ders herz­haf­te Brü­der gehen direkt in die Offen­si­ve und umar­men mich auch mal ger­ne.
Bei einem Mäd­chen ist es da schon viel ein­fa­cher. Schön den Sicher­heits­ab­stand wah­ren und ein ein­fa­ches “Salam Aley­kum” aus­spre­chen. Ich habe tat­säch­lich etwas gefun­den, das bei Frau­en unkom­pli­zier­ter ist, als bei Män­nern. Wer hät­te das gedacht 🙂